20. April 2019

Hvar

Wir haben unseren Blog umstrukturiert und hoffen, dass die festen Seiten jetzt wieder besser sichtbar sind. Alle Fotos sollten sich durch Anklicken auch vergrößern lassen.

Hvar / (1. Badebucht bei der „Strandbar“ östlich der Stadt)

Wie man das ausspricht? Vermutlich Kvar. HR für Kroatien spräche jedenfalls dafür.

Wir ankern vor einem der seltenen Kies-Sandstrände des Landes. Vereinzelte Pärchen nehmen auch schon das erste Sonnenbad, Frauen führen Hunde aus. Ein Fischer präpariert auf dem kleinen Anleger einen Oktopus nach dem anderen. Jeden Tag krault hier einer im Neoprenanzug um die Bucht herum und an unserem Schiff vorbei. Wir schlottern allein schon beim Zuschauen. Ob er für den Ironman trainiert? Was sonst könnte jemanden bei diesen Wassertemperaturen veranlassen, schwimmen zu gehen? Aber die Luft ist hier in Dalmatien schon deutlich wärmer. Morgens verzichten wir jetzt erstmals auf die Standheizung und das erste Frühstück am gedeckten Cockpittisch hat schon richtig gut nach mehr geschmeckt.

Unsere Bucht ist laut dem Revierführer in der Saison ein musikalischer Beschallungsalptraum – derzeit aber noch nicht. Wir benutzen eine Abkürzung über den Hügel und erreichen in nur 35 Gehminuten die Stadt Hvar – das ist optimal für unsere platt gesessenen Seglerwirbel und -bandscheiben. Uns gefällt‘s hier gut. Massenhaft Rosmarin zwischen den Kiefern, dazwischen graugrüne Agaven und violette Lilien. Ein Supermarkt in der Nähe und eine kleine Stadtbesichtigung vor Augen – so mögen wir das.

Wie so oft in Kroatien haben wir den Ort wieder einmal völlig unterschätzt. Die Altstadt ist eine echte kleine Perle, eine feine Miniaturmischung aus Porec, Rovinj, Dubrovnik, Salzburg und Triest, picobello im venezianischen Baustil erhalten und schick renoviert, mit einer breitangelegten, von Palmen gesäumten Uferpromenade, an deren Beginn wir gleich ein wunderbares Franziskanerkloster besichtigen.

Der Innenhof des Klosters besteht aus einer Zisternenanlage wie sie uns bereits auf mehreren anderen Inseln in dieser knochentrockenen Gegend aufgefallen sind: Dafür braucht es eine große, zur Mitte hin abgeschrägte, versiegelte Bodenfläche, über die das Regenwasser – wenn es denn fällt – durch die Gullis in die Zisterne fließt. Im Prinzip funktioniert es wie eine Mega-Nasszelle. Als Innenhof eines Klosters finden wir das dennoch überraschend. Andererseits haben wir letztes Jahr auf Olib auch schon eine solche riesige Fläche, allerdings aus Beton, direkt neben der Kirche gesehen. Wasser ! -ein kostbares Gut, auf das die Menschen hier sicherlich des Öfteren flehentlich gewartet haben.

Eine solche versiegelte Fläche entdeckten wir auch in unserem Fischernest auf den Kornaten und nun auch noch auf der Festung Fortica/Spanjola.

Ihre mächtigen Mauern wachen als Zeitzeugen der kroatischen Geschichte auch heute noch über der Stadt Hvar. Zuerst waren es wieder einmal die Illyrer, die im 1. Jh. v. Chr. an diesem Hügel siedelten. Unter Byzanz entstand dann etwa im 7. Jh. n. Chr. eine erste Festung. Im 13. Jh. machten sich dann die Venezianer ans Werk, wobei ihnen zeitweise spanische Militäringenieure behilflich waren – daher der Name. Finanziert wurde der Bau durch den Verkauf von Salz, dem weißen Gold, einem der lukrativsten Monopole der Republik Venedig. Erst nach 250 Jahren war die Festung fertig. Gerade rechtzeitig! Denn als die Türken im selben Jahr Hvar überfielen, konnten sich etliche Einwohner der Stadt in die fast fertiggestellte Festung retten. Was die Türken nicht geschafft hatten, erledigte kurz darauf ein Blitzschlag, der den Pulverturm traf und alles in die Luft fliegen ließ. Im 19. Jh. waren hier die Österreicher die Hausherren, bis schließlich der sozialistischen Plattenbau auch vor der Fortica/Spanjola nicht Halt machte – zum Glück nicht allzu scheußlich misslungen.

Echt schaurig ist das Gefängnis der Festung. Die armen Teufel, die hier frieren und verrecken mussten, tun einem heute noch leid.

Wir nutzen die Tage für klare Aufgabenverteilung: Basteln am Schiff, bzw. Pennen oder Herumliegen …

… und für ausgiebige Körperpflegemaßnamen an Mensch und Tier. Muss ja auch mal sein. In Hvar haben alle Geschäfte trotz der Osterfeiertage geöffnet und wir gönnen uns ein frisches Osterbrot zum Kaffee. Abends gibt’s das einfache Fischgericht, aber mit frischem Rosmarin von Hvar, wildem Salbei von Dugi Otok und Oliven vom Plodine-Supermarkt.

Unser Ankerplatz ist schön, aber eben dem offenen Meer zugewandt. Das bedeutet sanften Dauerschwell der Meeresdünung, hin und wieder heftigen Polterschwell von 2-3 vorbeifahrenden Fähren, furchterregendes Superdauerschwellgeschwabbel bei 30 kn Wind in der Nacht. Unser Anker ist bombig eingedampft und hält. Segeln und Ankern bleiben in unserer total technisierten Welt eben doch noch ein Abenteuer. Da kann man Handys, Tablets, PCs, Tracker, GPS und was weiß ich noch bei sich haben, – ob der Anker hält, weiß man erst, wenn man mutig eine gute Weile auf dem Schiff abgewartet hat. An Land kommt man nur mit dem Schlauchboot – und dann geht es zu Fuß weiter. Und wenn das warme Wasser aus ist, muss man eben kalt duschen. Essen tut man an Bord grundsätzlich mit richtigem Mordshunger und nicht, weil es Zeit ist. In der Nacht lauscht das Unterbewusste auf ganz andere Geräusche, die wir normalerweise gar nicht kennen würden. Rumpelt die Kette? Schlägt ein Fall gegen den Mast? Welches? Brummt der Wind in den Schoten? In welcher? Dann klettert man schlaftrunken ins Kalte und stellt fest, dass der Vollmond direkt in den Niedergang scheint und das Schiff in seinen silbernen Mondstrahlen schaukelt.

2 Comments

  • Man mag sich gar nicht vorstellen, wie die Kurpromenade von Hvar zur Hochsaison ausschaut! Das ist ja eine beeindruckende Festung und ganz toll fotografiert! Kaltbader gibt es auch in Heikendorf; haben heute Vater und Tochter bei strahlendem Sonnenschein-14°- und geschätzter Wassertemperatur von 10° mindestens 3 Min im Wasser beobachtet!! Des Menschen Wille…..Wir wünschen Euch gutes Ausruhen und frohe Ostern, MA-Pa

  • Hallo Ihr zwei!
    Habe gestern für Papa alles kopiert und werde es ausdrucken, denn Papa will es schwarz auf weiß lesen. Das wird wohl ein dickes Buch werden.
    Dort bei Euch ist es wunderschön und es freut mich, dass Ihr so eine gute Zeit habt. Dies wünschen wir auch weiterhin mit immer viel Wind und schönen Wetter. Wir haben ebenfalls super Osterwetter.
    Passt gut auf Euch.
    Viele Grüße von uns beiden.

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