9. Mai 2019

Krängen ohne Fahrt

 

Die Tage auf Lastovo entwickeln sich prächtig. Der Wind gab kurzfristig auch mal Ruhe und die liebe Sonne schien. Das tut gut, wenn es doch noch recht frisch ist. Wir liegen hier nach wie vor zum absoluten Vorzugspreis und wissen das zu schätzen.

Bei gutem Wetter trudeln nun auch zunehmend andere Segler mit teilweise riesigen Schiffen hier ein, darunter eine Ferrari-rote Shipman 63 (sie ist übrigens gebraucht für schlappe 700.000-€ zu erwerben, zzgl. Steuer, versteht sich). Oder eine fette Lagoon 56, das reinste Hochhaus!

Dagegen wirkt unsere mit Holz besetzte TELL richtig klein und zerbrechlich! Auf diesen Megaschiffen sind durchaus auch nur zwei Leutchen drauf oder auch nur eine ältere Frau mit ihrem noch älteren Vater plus dem Skipper. Überwiegend sind es aber Männercrews mit Bierbauch auf soliden 53er Plastikkolossen. Phantastische Yachten und interessante Menschen aus Tschechien, Südafrika, Belgien, der Schweiz  oder Fulda. Nicht zu vergessen die royal gestimmten österreichischen Bürschlein mit ihren Schnösel-Hemdkragen und lautem Wiener Walzer beim Ablegen …

Rund um Dubrovnik ist es wohl doch eine andere Welt als im Norden, wo sich solche Schiffe, und dann ja zumeist Motoryachten, eigentlich nur auf den Brijunis blicken lassen.

Am Steg haben wir Colin aus Liverpool kennengelernt, einen von vier Dauerliegern, der seine Jeanneau 42 ausgepackt hat. Was für ein Dialekt! Er und seine Frau haben sich von Malta her verlegt und schwärmen jetzt vom abwechslungsreichen kroatischen Revier.

Inzwischen haben wir alle erreichbaren Wanderwege erkundet und sind nach wie vor begeistert von der Location, und das trotz der inzwischen wieder vorherrschenden Nordseestimmung. 

Windstärke 6 in unserem hurricane hole! Wir liegen vertäut am Steg und haben Krängung. Eine Crew hat in der Frühe abgelegt, alle Mann eingepickt, Ziel Dubrovnik. Aber jetzt sind sie zurückgekehrt, denn ihnen waren einzelne 5m hohe Wellen dann doch zu viel … Ja, das ist der Nachteil des Charterns – man muss das Schiff pünktlich abgeben, egal wie.

Das Meer donnert draußen gegen die Felsen, der Wind rauscht in den Kiefern – man denkt im ersten Moment, es käme ein Auto. Aber nicht hier. 

Wir marschieren mitten auf der Straße. Es gibt allerdings wieder viele, ganz schön große Holzböcke. Dank der Serestobänder sterben die Biester auf dem Fell der Hunde tatsächlich ab, bevor sie sie stechen. Wir selbst spüren sie so deutlich in den Hosenbeinen krabbeln, dass wir sie immer rechtzeitig absammeln können. Igitt!! Tragisch ist das Schicksal eines großen Jagdhundes, der drüber am anderen Ufer tagaus tagein im Gebüsch vor einer Hundehütte angebunden ist und jämmerlich nach seinen Leuten ruft.

Wir schauen uns an, wie hier gebaut wird – aber so richtig verstehen wir es nicht. Es sieht jedenfalls mühsam aus wie Sklavenarbeit bei den alten Ägyptern.

Die Zeit reicht zum Wäschewaschen, Keybordspielen oder für Pilates – und damit für die hochinteressante Erfahrung, ganz entspannt auf einem Bein auf einem schwankenden Schwimmsteg zu stehen.

Bei Pallatschinken und Milchkaffee lassen sich im Porto Rosso Daten runterladen oder ein Radio- Feature anhören. Wir nutzen den Landstrom und haben das Holzbrett für unseren Werkraum zurecht gesägt. Hoch lebe der Fein Multimaster!! – und jetzt funktioniert endlich auch wieder unsere farbig changierende Bug-LED-Lichtleiste, womit der Kabelsalat unserer Vorgänger schon wieder ein Stück übersichtlicher geworden ist.

Einen Stern bei Sauguad hat nun auch die Firma Poliboy ergattert und: Wir haben endlich eine Kroatisch-App heruntergeladen. Jetzt versuchen wir es doch noch mal:

Ya sam / ti si / on i ona je / mi smo /… ??

hä???

Und wo ist da bitte das System????

Unsere Entscheidung für einen ausgedehnten und ruhigen Revierwechsel nach Südkroatien macht uns von Tag zu Tag mehr Spaß. Schön wäre, wenn Petrus das extreme April-Sauwetter nun auch selbst endlich mal satt hätte!

4 Comments

  • Hallo Ihr Vier,die kleine Schildlaus Finnchen sieht irgendwie bedröppelt aus 🙂 Wenn auch das Wetter nicht so super ist scheint es Euch doch gut zu gefallen. Hier ist das Wetter auch nicht so prickelnt aber das ist ja klar,die kalte Sophie will ja schließlich nochmal auftrumpfen bevor sie sich verabschiedet.Wünsche Euch noch eine schöne Zeit. LG Vera und Gerd

  • ich habe gerade in Euer Logbuch geschaut da kommt ja eine Aufregung nach der anderen und man braucht echt starke Nerven.
    Das wäre nichts für eine Landratte wie mich,da bleibe ich lieber an Land 🙂

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