2. Juli 2019

Rückblicke Juni

Monatsrückblick Ulli

… im Fluge unserer Zeiten

Ich muss sagen, dieser Rückblick wird schon beinahe mühsam, so viel haben wir in diesem Monat verändert, erlebt, durch den Wolf gedreht und bewältigt.

Inzwischen habe ich räumlich und innerlich etwas Abstand zu unserem Ferienhausprojekt gewonnen. Aus der Ferne betrachtet erschien mir das Ganze im ersten Moment plötzlich als sehr großer Schuh, aber erstmal musste sich die ganze Aufregung legen und jetzt ist es – nüchtern betrachtet – nach wie vor wirklich ein Wahnsinnsding.

Das fand auch Lydia, die seit 10 Tagen bei uns an an Bord ist. Sie hat für eine 20jährige wirklich Mut, denn sie brachte unser Auto nach einem waghalsigen Gewaltmarsch durch halb Europa von Funtana nach Lastovo! Von Kiel, über Berlin, Pula, Funtana und Split nutzte sie so ziemlich alle fahrbaren Untersätze der Moderne, inclusive Taxi und Fähre und mitten in der Nacht auch noch unser Dingi.

Weil wir ihr von Lastovo aus noch einmal gezeigt haben, wo wir hier zukünftig gelandet sein werden, konnte ich diese 180° Wende, die wir Ende Mai ab Lastovo vollzogen haben, noch einmal rückwärts passieren lassen. Das tat mir gut, während wir soeben längst schon wieder über alle diese Punkte hinaus sind. Ubli, Vieste, die MIG 21, der Muttertag, die Boje und Robert, selbst Orebic und Marikka und René und natürlich unsere beiden Häuser – alles, bis zurück nach Hvar in genau dieselbe Bucht, bereisten wir mit Lydia noch einmal. Im Zeitraffer zog das ganze Geschehen an uns entlang und damit konnte ich es – mit einem gehörigen Hauch an Wehmut, der mich besonders in Hvar packte – richtig abhaken und mit unserer neuen Gegenwart füllen. Und die verspricht uns erst einmal noch viele schöne Segelwochen!

So rutschten wir an einem ausgesprochen geselligen Abend in Lastovo in unser siebtes gemeinsames Jahr hinein. Wir entdeckten zu diesem Anlass eine Klasse Restaurant: „Fumari“, wo wirklich regional gekocht wird und auch nur mit den auf Lastovo verfügbaren Lebensmitteln. Das waren Speisen, wie wir sie in allen Jahren noch nirgends bekommen haben! 

Die heftigen, positiven wie auch negativen Anspannungen der letzten Wochen steckten ganz schön tief in uns. Aufbrechen für weitere drei Monate – das mussten wir nun erst einmal wieder tolerieren und vor allem relativieren. Da lagen die Nerven mehrfach blank.

Aber jetzt flutscht es wieder. Segeln ist schön! Unser Schiff ist schön!

9 kn schnell ist unsere brave TELL letztens geflitzt!

Von nun an hatte ich wirklich Zeit und den Kopf frei, zum Beispiel für eine zweite Bachelorarbeit, eine neue Plastikmüll-Runde (am U-Boot Tunnel in Ubli, also im Naturpark Lastovo und da haben mich die Mücken echt übli zugerichtet!). Zeit, mich per Mail weiter mit Uschi anzufreunden. Zeit, das Schnorcheln auch selbst zu genießen.

Wir spielen abends ab und zu Hornochse oder Kniffel, Lydia freut sich an der Unterwasserkamera und vielen Details der Natur, wir haben eine große Menge Schmetterlinge um die Wette fotografiert , sitzen phasenweise alle drei mit rauchenden Köpfen (Mathe, Projektarbeit und Deutsche Sprache) an unseren Laptops und lutschen die Bordbatterie leer … und machen im Übrigen Badeurlaub.

Mit dem Juni kam der Wetterwechsel, eine trockene und sommerliche Hitze, nicht erdrückend. Wir haben wunderbare neue Ankerplätze entdeckt, so zum Beispiel bei Korcula vor dem Kloster Badija. Unser kleines Dingi taugt bei kräftigem Wind sogar als Wassertaxi zur Stadtbesichtigung von Korcula.

Oder auf der Seeseite Korcula: die Orlandusa Bucht. Einen Tag später dann die nette Begegnung mit den Fischern in der Bucht Smarska auf Hvar – da steht die Zeit einfach still! Bierchen schlürfen, alte Geschichten vom Feuer in der Mühle 1943 erzählen und zuletzt der Zeitungsartikel über die frisch promovierte Tochter – der ganze Stolz! Aber einen so großen Hai wie den hier seit Wochen gemeldeten hat keiner von ihnen je gesehen. 😉 

Derzeit liegen wir wieder ganz phantastisch – erstmals sogar mit Reitgewicht und Landfeste! – auf der Insel Brac in einer seeseitig gelegenen, herrlichen Bucht namens Blaca. Wir haben in aller Frühe heute eine Wanderung zur 500 Jahre alten gleichnamigen Einsiedelei plus Kloster unternommen, – eine großartige Schlucht entlang. Diesen versteckten Ort kann man ausschließlich zu Fuß erreichen.

Vieles erinnert mich hier an Israel .

Während wir Kurs auf Trogir nehmen, um Lydia dann zu verabschieden, kann ich auch schon weiter blicken … oder ist doch zurück? Nach Loviste geht es – denn dort werden wir schon nächste Wiche wieder eintrudeln. Und wer weiß, was uns da wieder alles erwartet! Der Juni kreiste um unsere neuen Reviere: Peljesac, Korcula, Hvar und Loviste.

So viel steht fest.

 

Monatsrückblick Geert

Ohne Reue

Monatsrückblick Juni Geert

Der Monat Juni hatte es in sich. Finale Verhandlungen und Koordination zum Kauf der Häuser, Schwell in jeder Form, wandernde Anker, Fische, Besuch von Freunden, Lydia’s Ankunft und viel viel Sonne.

Für mich waren die letzten drei Monate immer wieder eine Herausforderung und letztlich eine Zäsur, die einen neuen Abschnitt einleiten wird.

Segeln ist ein Abenteuer und mit unserer großartigen „Tell“ auch oft ein Vergnügen, doch musste ich erkennen, dass ich nicht jedes Jahr für 6 Monate auf dem Schiff leben möchte.  Immer wieder ein Schiff für 3-4 Wochen chartern und die schönen Landschaften Kroatiens, die Buchten und Orte erkunden, wird mir ausreichen. Vielleicht mal mit meinen Töchter im Spätherbst etwas „Sturmsegeln“ und mit Ulli im Frühjahr durch die Nationalparks „cruisen“. Ja, das ist es.

Die  Gedanken an unsere neuen Aufgaben und Wirkungsstätte in Viganj bereiten mir sehr viel Freude. Ich kann mich auf jeden Fall von der Tell trennen und das ganz ohne Reue. Sie hat uns viel Freude bereitet und war stets ein zuverlässiges Schiff. Es haben sich bereits mehrere Interessenten gemeldet und ich bin zuversichtlich, dass wir sie in gute Hände abgegeben können. Aber wie im vorherigen Monatsrückblick schon angedeutet:

“ Wohlan Herz, nimm Abschied und gesunde!“

Lydia wird uns demnächst verlassen und wieder, nach zwei Wochen bei  uns auf dem Schiff, nach Deutschland zurückkehren. Dann sind erst einmal sieben Woche Zeit, um gemütlich in den äußersten Süden Kroatiens zu tuckern, bevor Diego mit „Familie“ uns besucht.

Über die Hitze, die anderen Segler und Motorbootfahrer, diverse Ankermanöver, Schnorchelabenteuer, Windstille und Einsiedeleien kann man nun viel erzählen oder auch nicht. Ich lasse es sein, denn es gibt aus meiner Sicht nichts Neues darüber zu berichten, was nicht ohnehin schon berichtet wurde.

…. Einzig (kleine Ausnahme 😉 ) … das Restaurant in Lastovo(Ort) … das Essen, die Bewirtung, das Ambiente und die sangesfreudigen Gäste, waren ein echtes Highlight! Dort werden wir auf jeden Fall wieder auftauchen, auch auf die Gefahr hin, dass sich das bereits Erlebte nicht wiederholen wird.

Morgen geht es nach Trogir und vor uns liegt ein hoffentlich schöner Juli mit etwas weniger Aufregung und mehr Langeweile.

Geert

Impressionen Juni

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1 Comment

  • Heute habe ich mir endlich die Zeit genommen, Eure letzten Einträge zu lesen – wie immer mit viel Freude! Mit den Unterwasseraufnahmen könnt Ihr ja ein ganzes Biobuch füllen ! Ich wusste gar nicht, dass Ihr so professionell mit Unterwassertechnik ausgestattet seid. Darüber haben wir nie gesprochen . Auf alle Fälle sind die Aufnahmen super!
    Stefan, der zwei Boote neben Euch lag/ liegt ( Stella) treibt sich jetzt auch gerade in Eurer Nähe rum. Er schickt Wolfgang hin und wieder kleine Videos , in denen ebenfalls eine Menge der Namen fielen, die Ihr als schöne Buchten , Orte … in Eurer Monatszusammenfassung erwähnt habt. Ja, wir haben also noch enormen Nachholebedarf was den Süden anbelangt und damit Ziele en masse für die nächsten Jahre. Berichtet weiter so ausführlich über die sehenswerten Fleckchen Kroatiens , damit wir schon jetzt was davon haben!
    Passt auf Euch auf und genießt die verbleibende Zeit mit der TELL ! Liebe Grüße von Doris u. Wolfgang

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