10. Juni 2019

Somewhere …

Endlich – es ist warm geworden, Badewetter seit drei Tagen!!

Passt richtig gut zu dem, was wir hier seit drei Wochen tun: Wir kaufen. Stoff für einen ganzen Fellini-Film – in den Hauptrollen: Geert, Ulli, Robert, Bernd und Monika.

Wozu es doch gut sein kann, an einem garstigen Morgen bei Sonnenaufgang von einer Boje abzutreiben! Die Morgenfrühe, lese ich in meinem schönen Buch, ist die Stunde des Herrn. Wenn der Tag anbricht, muss man sich auf alles Mögliche gefasst machen –. Stimmt genau.

Aus einer harmlosen Frage an unseren Schutzengel Robert nach einem Tipp für eine 2-Zi.-FeWo, ist uns hier auf der Halbinsel Peljesac eine Lebensaufgabe in Gestalt zweier historischer Steinhäuser in 50 Höhenmetern über dem Kanal von Korcula vor die Füße gefallen. Nachdem wir den Ort wie mit einer Wünschelrute überhaupt erst einmal ausfindig gemacht hatten, war es mit einem Schlag um uns beide geschehen.

Es folgte eine erste Woche voller absurder und grotesker Begegnungen, darunter ein steinreicher Ungar und ein noch reicher Schotte und zwei noch viel, viel stinkreichere Kanadier, voller mystischer Geschichten aus dem Land der Illyrer und aus weniger lang vergangenen alten Zeiten, in denen eine emanzipierte Frau noch riskierte, mit einem Hammer erschlagen zu werden.

Wir entdeckten diesen kurzen Küstenabschnitt nördlich von Orebic, mitsamt seinen Insidertipps und wichtigen, teils ganz schön zahnlosen Persönlichkeiten, ohne deren Wohlwollen ein Ausländer es hier möglicherweise schwerer hätte.

Aber die unglaublichste Entdeckung ist unser Geschichtenerzähler selbst: Bernd. Ein Mensch wie ein Buch, feingliedriger Titan und irrer Träumer, hochgebildeter Anarchist im besten Sinne, scharfsichtiger Zeichner, mutiger Weltenbummler und: Ein vom Hamburger Feuersturm bitter geprägter, leidenschaftlicher Liebhaber historischer Gebäude, der zum Zeitzeugen allererster Güte für diese Region wurde.

Dieser Mann hat im Laufe der letzten fünfzig Jahre 18 einst wertlose Ruinen kreuz und quer durch das Titoregime, den Krieg und die jetzige Zeit in seinen Besitz gebracht – ein ganzes Dorf, das er in mühsamster Kleinarbeit mit Hilfe von Ivo oder Pero, Ilica oder Anjelka oder Svetlana und Anna und in Begleitung von Freunden wie Walter, Uschi und anderen, die ihn in ihr Herz geschlossen haben – wie auch wir selbst – hinreißend renoviert hat.

Nun ist Bernd in die Jahre gekommen – andernorts würde man ihn als hochbetagt bezeichnen! Doch er läuft seine geliebten Treppen trotz seiner 82 Jahre hoch wie ein Student im 3. Semester. Wir alle hatten uns vom ersten Moment an gesucht und gefunden. So viel Einverständnis und gute Laune, soviel Interesse und Offenheit und so viel Herzlichkeit zwischen Fremden war selten. Das verdankt sich auch seiner reizenden Lebensgefährtin Monika, einer der originellsten Frauen, die uns beiden jemals untergekommen ist, ebenfalls voller unfassbarer Geschichten aus einem nicht minder hochinteressanten Leben, wie es nur wenige Frauen überhaupt führen können.

Es floss unendlich viel Kaffee und noch mehr Wein, wir wurden mit Hektolitern Gemüsesuppe und den herrlichsten mediterranen Köstlichkeiten, gebratenem Fisch, Erdbeeren, Eis und Hugo verköstigt und haben dabei ständig auch den drei Hunden allerlei Leckereien zugesteckt – die schönste Art, um das komplette Objekt völlig entspannt zu begucken, auseinander zu nehmen, konzeptionell neu zu denken — ja und dann natürlich auch darüber zu verhandeln.

So vergingen bis heute fast 3 Wochen, in denen wir der Sache immer näher kamen, viele der oben genannten Leute kennen lernten, eine Kette vor „unseren“ Parkplatz spannen ließen, den Mückenlarven-strotzenden Pool der Nachbarn leerten, die Waschmaschine nutzten, Siesta hinter den kühlen, alten Mauern hielten und heimisch wurden, Besuch von Hartmud und René bekamen – und dann drauflos: Geschäfte machen. Eine Hand wäscht die andere, schräge Blicke, Raunen, Trinken, Flirten, Rollen verteilen. Balkan pur – und vom feinsten. Gesichter, in denen wir erst noch lesen lernen müssen, Spielregeln, die wir sicher noch begreifen können, eine Sprache, die wir irgendwann besser verstehen werden.

Inzwischen haben wir – auch Dank mancher hilfreichen Tipps unserer Lieben im Hintergrund – die leidige Bürokratie soweit in trockenen Tüchern, dass wir von dem Objekt erzählen mögen:

Es ist einerseits ein Rohbau, in den wir im Laufe der nächsten Jahre drei Ferienwohnungen bauen werden und daneben ein voll ausgestattetes Haupthaus mit einem 300 Jahre alten Hausteil. Dort steht der funktionierende Backofen sowie der urige  Pekaofen aus alter Zeit. Zu beiden Häusern gehören drei große Zisternen, zwei Terrassen und ein kleiner Pool, jede Menge Wegerechte und Treppen, ein Parkplatz mit 6 Plätzen – und dann noch ein herziges Fischerboot von 6m Länge und ein Liegeplatz.

Wir bleiben dem Wasser treu 😉

 

Abgesehen davon: Viiiiel Aloe Vera, riesige Rosmarinbüsche und gruselig wuchernde Monster-Agaven, massig Lorbeer, lila blühende Bodendecker und Weiß-der Himmel-was-für-ein-Grünzeug-noch.

Zwei schlanke, schwarzstämmige Orangenbäume.

Es ist ein Traum. Mit einer umwerfenden Aussicht auf den herrlichen Kanal von Korcula – nonstopp.

Das Tal war recht tief, durch das wir bis vor kurzem noch geschritten sind … – … hat sich echt gelohnt. Dazu das schöne Wetter – !Wir wissen noch gar nicht, wie uns geschieht.

Somewhere… Klick here !

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2 Comments

  • Schön, dass Dein stimmungsvoller und hinreißender Bericht noch gerade vor unserem Urlaubsanfang fertig wurde! Das Abenteuer geht tatsächlich weiter — mit Spannung erwarten wir die Fortsetzung! Es sieht tatsächlich so aus , als hättet Ihr das große Los gezogen–das kleine Plätzchen neben der Piscina bitte schon für mich reservieren!!
    Viel Glück und vor allem: viel Spaß! In Vielem lässt Friburgo grüßen, das hätten wir auch nie ohne die vielen Menschen dahinter und 1000 Informationen erworben! Leider floss nicht so viel Alkohol, dafür gab es wahre Zecken-Angriffe!! Liebe Grüße, Ma-Pa

  • Was so ein heftiges Wetter auf dem Meer alles bewirken kann 🙂 Das ist ja eine gute Nachricht.Ihr habt Euch eine sehr schöne Gegend ausgesucht.Hier könnt Ihr beides miteinander verbinden.Den wunderschönen Blick vom Land aus und Ihr bleibt dem Wasser treu.Diese historischen alten Häuser sind wirklich ein Hingucker.Das könnte uns auch schon gefallen. Einfach toll,wir freuen uns für Euch. Sind schon auf Eure nächsten Berichte gespannt. Liebe Grüße Vera und Gerd

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