Unser Schiff

Unsere TELL, eine Bavaria 49 Bj. 2003,  hat als Queen Line Version einen überarbeiteten Rumpf und ist dadurch eine elegante Yacht von 15,40m Länge. Sie wiegt 11t, hat einen Tiefgang von 2,10m und misst an ihrer breitesten Stelle 4,50m. 

 

Der Mast ist 20m hoch!

Entsprechend bombastisch war die Materialschlacht, um sie im Mai 2016, frisch aus dem Refit, von der Heiligenhafener Werft in Schleswig-Holstein per LKW nach Koper in Slowenien zu verfrachten.

 

Seither liegen wir – in jeder Hinsicht total zufrieden – im Hafen von Funtana/Istrien. Von dort aus haben wir unser Schiff in aller Ruhe kennengelernt. Drei Jahre – bzw. gut 2000 sm – lang haben wir immer wieder ausprobiert, was mit diesem großen Schiff (siehe unten: Thema Gebrauchtboot) auch zu zweit gut geht, denn mit einer Mannschaft klappt ja fast alles problemlos. Zeit auch, um eine Reihe absurde bis interessante technische Probleme zu lösen, um die sich weder die Werft noch der sog. „Gutachter“ geschert hatten. Was jedoch unser Zutrauen zu uns selbst und zur TELL sehr gefestigt hat.

Hier kommen mal einige kleinere Beispiele 🎲🤣👀💦, die dem geschulten Insiderauge sicher etwas sagen :-))

          

       

Die Entscheidung für so ein großes Schiff in der 3-Kabinen-Eignerversion muss allein aus Kostengründen gut überlegt sein. Da wir beide sehr groß gewachsen sind und als Langzeitsegler ein Zuhause haben wollen, kam für uns nichts Kleineres in Frage.

Was uns immer wieder begeistert, ist der Komfort an Bord. Das ist einfach ideal für Langzeitaufenthalte und für Törns mit bis zu 6 Personen. Man wühlt sich nicht so schnell fest und man findet immer ein Plätzchen nur für sich selbst. Bei Schlechtwetter kann man sich unter Deck super bequem aufhalten. Allein schon die Stehhöhe von 2,00m überall sorgt für ein immenses Raumgefühl. Im gesamten Schiff haben unsere Vorgänger einen pflegeleichten Teppichboden ausgelegt. So verbindet sich die gebotene Zweckmäßigkeit mit einem Gefühl von Behaglichkeit und Stil.

Der Salon ist wahrlich das Zentrum des Schiffes. Raumwunder Bavaria, kann man da nur sagen! Viele Luken lassen auch viel Licht herein, so haben wir immer eine helle Wohnatmosphäre. Am verschiebbaren Salontisch wurden schon einige Kartenspielschlachten geschlagen! Hier schnippeln wir alles Essen, schauen Filme oder lesen und malen – und seit neuestem wird hier sogar Keyboard gespielt.

 

Dieser wohnliche Innenraum gefällt uns genauso Oldstyle wie er ist. Wir finden, dass die Holzoptik viel „Seefahrt“ und wenig „schwimmendes Wohnzimmer“ vermittelt. Hinzu kommt, dass die Schiffe älterer Baujahre ein phantastisches Raumkonzept haben. Das gilt sowohl für die Raumaufteilung wie für die Stauräume.

Der Navigator verfügt zum Beispiel über einen separaten, ruhigen Arbeitsbereich mit Kartentisch und Staufächern. Da ist Platz für Seekarten und Navigationshilfen aller Art. Hier befinden sich Funkgerät und Musikanlage und – neben diversen anderen Stellen – Ladestationen für Handys und Fotoapparate. 

Die Kombüse ist als U angelegt und bietet viel Platz zum Kochen und Werkeln mit wenigen Griffen. Wir beschränken uns auf den vorhandenen Zwei-Flammen-Gasherd, aber es ist auch ein Backofen vorhanden. Bei Seegang kann man sich schnell an einer der drei zusätzlichen Haltestangen festhalten. Ein Kühlschrank und ein Freezer sowie viele geschickt verteilte und geräumige Staufächer ermöglichen es, Lebensmittel und Getränke für längere Zeiträume zu bunkern und frisch zu halten.  Spätestens jetzt bewährt sich die stattliche  Ausstattung der Yacht mit zusätzlichen Batterien und Solarenergie. Wenn wir länger vor Anker liegen, schalten wir den Kühlschrank aus und speisen mit dem Solarstrom eine 12Volt Kühlbox, sodass wir wirklich lange autark bleiben und uns trotzdem an gekühlter Butter und kühlen Getränken freuen dürfen. Auch die sehr großen Wassertanks geben uns die Freiheit, längere Zeit ohne einen Hafen klarzukommen. Da die TELL ein ehemaliges Ostseeschiff ist, könnten wir auch mit unserer Webasto heizen – aber wir versuchen, das zu vermeiden. 

Eins der beiden Gästebäder war schon zur Werkstatt umfunktioniert. Das ist perfekt für alles Unverzichtbare, was viel Platz beansprucht, wie z.B. Werkzeugkästen, Maschinen, Tuben, Flaschen, Schrauben, Regensachen. Die alte Waschmaschine haben wir aber ausgebaut – ganz im Gegensatz zu einem Föhn, der zu Ullis grenzenloser Begeisterung im Eignerbad eingebaut war!

In beiden großzügigen Achterkabinen fühlen sich Freunde oder Familienangehörige wohl, denn sie verfügen über große Matratzen und viel Stauraum – alles auch wieder bei genügend Platz über dem Kopf und je drei Luken. Ein geräumiges Duschbad mit elektrischer Toilette gehört dazu und sorgt für guten Komfort und viel Privatatmosphäre. Für uns allein bedeuten die Achterkabinen einen gigantischen Platzgewinn und wenn es nur die Polster aus dem Cockpit sind, die wir schnell mal hineinwerfen.

Nicht nur unseren Gästen, auch uns selbst verschlägt unser Eignerbereich im Vorschiff immer wieder den Atem. Er beansprucht ein Drittel des Schiffes für sich und ist eher eine Suite! Mit einem Flur, separatem Duschbad und Wc, großen Schränken und cooler Beleuchtung rundherum könnte es kaum besser sein. Unser Doppelbett misst 2,10m x 1,75m. Alle Bäder sind mit Teakplatten ausgelegt und das ist ja viel, viel schöner als das unromantische weiße Plastik.

    

Bei Sonnenschein verlagert sich das Bordleben sofort ins Cockpit. Im Schatten von Bimini und Sprayhood genießen wir den Ausblick und die Luft, dazu ein leckeres Bordfrühstück und leise Musik – im Cockpit sitzt man immer die erste Reihe. Unterwegs wird von hier aus gesegelt und navigiert.

Im doppelseitig ausklappbaren Teaktisch befindet sich ein großes Innenfach, das andere Segler zu einer Getränkekühlbox umfunktioniert haben. Wir nicht. Bei uns ist hier der optimale Hundeplatz beim Segeln. Beide Tiere sitzen schön weich darin verborgen und bei Manöver verschließen wir einfach die beiden Holzdeckel, sodass wir uns voll aufs Segeln konzentrieren können. 

2017 haben wir alle Teakflächen überarbeiten lassen. Das war ein Fest!

Das gesamte Deck ist mit Teak ausgelegt. Zugegeben: Man bekommt an vielen Sonnentagen so heiße Fußsohlen, dass es ohne Socken gar nicht geht … aber schööön ist das Deck !! und lädt zum Sonnenbaden ein. Bei gutem Wind reiten wir im Bugkorb über die Wellen dahin. Von der Badebrücke aus füttern wir Fische, über die Badeleiter ist man blitzschnell im Wasser und bei Bedarf erfrischen oder wärmen wir uns da hinten auch kurz mal mit der Decksdusche.

Bei Seegang und Schlechtwetter fühlen wir uns auf dem gesamten Schiff sicher, denn es verfügt über viele zusätzliche robuste Griffe und Haltevorrichtungen. Auf den Laufflächen an Deck gibt es keine Stolperfallen, die Stufen des Niedergangs sind breit und bestens zu bewältigen. Vom Cockpit aus können wir die TELL bequem auch Einhand segeln. Vier elektrische Winschen und eine Rollreffanlage, die sich ebenfalls vom Cockpit aus bedienen lässt, machen einem das Leben leicht. Wir haben einen starken Motor (Volvo Penta Diesel TAMDD 22 / 105 PS mit Turbolader) und ein Bugstrahlruder, die uns auch bei kniffligen Hafenmanövern helfen, punktgenau zu manövrieren. 

Da wir zu zweit segeln, sind wir immer auf Sicherheit bedacht. Rettungswesten, Rettungsinsel, diverse Rettungsmittel und Feuerlöscher fehlen da natürlich nicht.

An Deck gibt es genügend Stauraum für alles, was sonst noch dabei sein muss, aber nicht unter Deck gehört. In zwei riesigen Backskisten und einer Staukammer hinter dem Ankerkasten haben wir Dingi, Fender, Taue, Ersatzanker, Wasserschlauch, Stromkabel, Schnorchelausrüstung, Pütz, Bezinkanister  und alles andere, was feuergefährlich ist, untergebracht. Plus zwei Gasflaschen – die stehen sowieso extra.

Die hervorragenden Segeleigenschaften der Bavaria 49, die in der Fachwelt hinreichend beschreiben sind, können wir voll bestätigen. Das Schiff macht uns mit knapp 117 m² Segelfläche (Rollgroß und Genua) bei jedem Wind Freude. Es lässt sich leicht bedienen, fährt flott und liegt ruhig. Passend zu ihrem Namen zeigt unsere TELL einen Apfel im (hier gerefften) Groß.

 

Unsere Erfahrungen mit dem Kauf eines Gebrauchtbootes

Hier möchten wir nichts wiederholen, was zahlreiche Tipps und Ratgeber in Internet und Buchhandel zu Recht empfehlen. Man sollte das auf jeden Fall beherzigen, vor allem, wenn es das erste Boot ist, das man kauft! In unserem Fall fühlten wir uns bestens abgesichert durch eine Gebrauchtboot-Checkliste vom ADAC, einen namhaften Verkäufer, einen bestellten Gutachter, den vertrauenerweckenden Auftritt des Geschäftsführers der Heiligenhafener Werft plus die Einschätzungen und Hilfestellungen erfahrener Langzeitsegler. Trotzdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass man als Laie gar nicht vorsichtig genug sein kann, denn die Tricks, wie wir über den Tisch gezogen wurden, sind verblüffend – und wir möchten zur Warnung davon erzählen:

Unser Schiff wurde vom Pinneberger Yachthandel Schmidt & Partner im Internet angeboten. Wir entdeckten die Anzeige im Dezember 2015 und fuhren von Oberbayern zur Besichtigung nach Heiligenhafen, wo die Yacht im Winterlager aufgebockt stand. Wir taten das insgesamt 3 Mal. Herr Schmidt rühmte sich, das Schiff in- und auswendig zu kennen. Es war klar, dass die Yacht ein Refit des Rumpfes benötigte und einige offensichtliche Mängel behoben werden mussten, z.B einige lose Planken des Teakdecks und ein defektes Süll oder eine schwergängige Ruderanlage und eine Prüfung der Gasanlage. So gesehen stimmte auch der Kaufpreis.

Zur Sicherheit beauftragten wir nun einen Gutachter, der uns von Herrn Schmidt empfohlen wurde, um das Schiff genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieser sogenannte „Yachtconsultant“ und Geschäftsführer seiner Hamburger GmbH, ein Herr Claus Müller,  stand uns in unserer Abwesenheit sowohl im Winterlager als auch bei der Probefahrt zur Seite – dachten wir. Er fotografierte dies und das, verfasste einen hübschen Besichtigungsbericht und kassierte über 2000,-€ für seine Dienste. Das erschien uns üblich. Über die Probefahrt erstellte er keinen Bericht, freute sich jedoch, weil wir unsere ADAC-Checkliste so akribisch abarbeiteten. Man speiste zusammen, dankte und ging auseinander.

Als wir unser Schiff nach seiner Überführung nach Slowenien in Koper in Empfang nahmen und es aufriggten bzw. von innen säuberten, traf uns wie ein Schlag die Erkenntnis, dass in einem Stauraum unter unserem Bett etwa 10cm hoch das Wasser stand – und bald zeigte sich, dass man uns zwar im Winterlager eine trockene Bilge vorgeführt hatte, dass jedoch der Herr „Gutachter“ keine einzige Bodenplatte aufgeschraubt hatte, um den Zustand darunter zu prüfen. Es handelte sich um salziges Ostseewasser, das sich mittlerweile seinen Weg ans Tageslicht gesucht hatte und überall stand.

Unser ziemlich genervter Schriftverkehr mit Herrn Schmidt und Herrn Müller offenbarte uns zweierlei:

1.) Der Gutachter Herr Müller hatte uns juristisch gesehen gar kein Gutachten erstellt, sondern eben nur einen „Besichtungungsbericht“ – und war somit aus dem Schneider.

2.) Herr Schmidt wies uns mit Blick auf den Kaufpreis süffisant darauf hin, dass wir dann doch eine gebrauchte Swan hätten kaufen sollen (wohlgemerkt, auch Superschiffe haben Mängel … wir wissen sogar, welche …).

Für uns hat das den Anschein, dass Herr Schmidt das Schiff doch nicht so gut kannte. Oder alle beide wussten, dass Wasser im Schiff steht.

Zur Heiligenhafener Werft und ihrem Geschäftsführer, Herrn Weisel , möchten wir zweierlei sagen:

Das Refit des Rumpfes und die Lackierung durch Subunternehmer der Firma Wrede sind top gelungen. Leider hat die Werft es in 4 Monaten nicht geschafft, alles, was vereinbart war, zu reparieren. So war der Bereich rund um das Bugstrahlruder nicht mit der notwendigen Antifoulingschicht bestrichen. An einem frisch getauschten Seeventil entdeckten wir Wasserspuren. Das für sündhaft teures Geld ausgetauschte Süll mussten wir nach nur 2 Jahren von einem kroatischen Fachmann (für einen Bruchteil des Preises!) erneuern lassen. Die Ruderanlage war allerhöchstens gefettet.

Auf unsere Reklamation hin setzte Herr Weisel seinen Anwalt auf uns an. Dieses Geschäftsgebaren mag in der geldintensiven Werftbranche notwendig sein. Insgesamt tummeln sich dort eine ganze Menge dubioser Gestalten, die sich offenbar gegenseitig das Schlimmste unterstellen. Weshalb vielleicht auch unser Schiff am Tag des Abtransportes stundenlang am Kran über dem LKW hing, weil die Überweisung einer geringfügigen Schlussrechung, die uns seitens der Werft erst auf den letzten Drücker am vorausgegangenen langen Wochenende erreicht hatte, am Montagmorgen noch nicht auf deren Konto zu sehen war.

Bis dahin waren wir nicht einen Cent der anstehenden, relativ hohen Beträge schuldig geblieben und trotzdem fertigte uns Herr Weisel auf unserer Beschwerde hin mit den Worten ab: „Boot weg – Geld weg“. Auch meinte er, uns mit dem Hinweis auf die Aldi-Kasse kränken zu können, an der wir doch auch sofort bezahlen würden, wenn wir einen Müsliriegel kauften.

Dazu können wir nur sagen: „Geld weg – Leistung weg“.

Denn eine Gewährleistung – von Kulanz brauchen wir bei diesem Herrn nicht zu reden – lässt sich von Kroatien bis Heiligenhafen natürlich nicht durchsetzen, bis das Schiff nach zwei Jahren seinen nächsten Unterwasseranstrich benötigt.

Es ist uns wichtig, andere Segler zu warnen. Wir haben in den zwei Jahren unserer Suche nach einem Gebrauchtboot von Marseille bis Halle a.d. Saale eine ganze Menge seltsamer Vögel mit noch eigenartigeren Vertragsangeboten aus Schweden in Englisch auf heruntergewirtschafteten Schiffen erlebt. Wir dachten, dass wir mit einem Kauf in Deutschland insgesamt das Richtige getan hätten. Aber das war doch nicht ganz der Fall. Wenn man in den Häfen vor Ort zuverlässige Leute kennt, spricht also nichts gegen einen Schiffskauf im Ausland.

So oder so sollte jeder in aller Ruhe das jeweilige Boot anschauen. Es lohnt sich. Uns ist es nach drei Saisons intensiver Suche gelungen, das Leck zu finden, durch das Salzwasser ins Schiffsinnere gelangen konnte. Es war ein Haarriss im Ankerkasten, der seit nunmehr 2 Jahren professionell abgedichtet ist.

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