22. Juni 2019

Urlaub!

Unser Aufenthalt in Loviste erfuhr gleich mehrere krönende Abschlüsse:

Ganz vorne an steht der Besuch dieser riesigen Meeresschildkröte, die zum Atmen ganz nah an unserm Schiff auftauchte. (Der 2m lange Makohai, den Urlauber vor wenigen Tagen vor Korcula gesichtet haben, blieb zum Glück weg.) Wir haben sie bei eTurtle registriert und wünschen ihr weiterhin in langes und gesundes Leben und eine gute Weiserreise nach Griechenland, fern von illegalen Fischzügen und Schiffsschrauben.

Dann ein blitzsauberer Vorvertrag, der berechtigten Anlass zur Hoffnung gibt, dass uns auch alle Grundbucheinträge und sonstigen Papiere nach den komplizierten kroatischen Bedingungen von Besitz und Eigentum rechtzeitig korrekt vorgelegt werden. Dann ein letzter Drink in Cikatica in Gesellschaft des Kanadiers Alen, einem verhinderten Nordmeersegler – der sich nun mal unser Schiff genauer anschauen möchte …

Und schließlich verbrachten wir den letzten gemeinsamen Abend Dank Monikas und Bernds Vermittlung in ganz besonders geselliger Weise auf Korcula: Gemeinsam mit 38 anderen ausländischen Paaren, die hier leben und sich einmal im Monat zum Klönschnack treffen, genossen wir in einer Art mediterranen Straußwirtschaft die allerbesten dalmatinischen Schlemmereien in einem sagenhaft schönen Ambiente – wie gemalt: Mitten in den Terassenhängen, voller Blumen, Wein, Kräutern und Ölbäumen, mit Blick aufs offene Meer und „unser“ Lastovo – wo vor einem Monat für uns die große innere Wende begonnen hatte.

Das war ein vielsprachiges Geschnatter! Ehepaare aus aller Herren Länder, die, aus welchen guten Gründen auch immer, diese Insel zu ihrem Lebensmittelpunkt gewählt haben und die für uns Neulinge ganz sicher eine riesige Bereicherung sein können.

Nach einem geschlagenen Monat in Loviste brachen wir schließlich wieder auf. Und zwar bei bestem Wetter! Ein seltsames Gefühl und schön wie gehabt! Fahren, auf dem Meer dahingleiten (bei Sonnenschein und Flaute), an unserem herrlichen zukünftigen Revier entlang – es erinnert beinahe an die Weinberge am Rhein! – vorbei an Cikatica (sprich: Tschikatiza), „unserem“ Fischerboot, dem Surfpoint, zuletzt dann an Alt-Korcula und der insgesamt großartigen Klosteransammlung rund um den Sv. Ilija.

Unser Ziel: Der zentral gelegene Ort Polace im Nationalpark Insel Mljet.

Hier angekommen, machten wir uns an einer Restaurant-Boje fest, was den Vorteil hat, dass man dort zwar das Abendessen bestellen muss, dafür aber keine Nationalpark Gebühren für das Schiff zahlt. In drei Tagen gibt man auf die Weise auch mindestens 120,-€ aus, was dem Ticket für unser Schiff entspricht – aber man bekommt zumindest etwas zu essen dafür!

Polace verdankt seinen Namen der mächtigen, markanten Ruine eines römischen Herrenhauses (Palast/Polace) direkt am Ortseingang. Die Ruinen zweier uralter Kirchen aus dem 5. und 6. Jahrhundert, wo sogar eine Inschrift aus dem 3. Jh. gefunden wurde, und ein netter Sandstrand unterhalb der mit Steineichen, Kiefern und Rosmarin bewachsenen Hänge verleihen dem Ort besonders bei Sonnenuntergang eine spezielle Poesie – sodass man vielleicht auch deshalb bis ins Mittelalter hinein annahm, der Apostel Paulus sei nach seinem spektakulären Schiffbruch auf Mljet gestrandet (packend geschildert in Apg. 27/28ff !!).

Und auch Odysseus, der Sagenhafte, soll angeblich auf Mljet seiner schönen Nymphe Calypso gar heftiglich auf den Leim gegangen sein.

Ansonsten ist Polace ein vollständig auf Segeltourismus eingestelltes Fischerdorf mit krachenden Preisen, viel zu wenigen großen Mülltonnen, unerträglichen Aufbewahrungsaquarien für lebende Hummer, dessen Verzehr – frisch mit brühendem Wasser um die Ecke gebracht – Abend für Abend -zig fröhliche Segler noch immer zelebrieren mögen. Schade, dass ich keine 50,-€ zur Hand hatte! Ich hätte einen freigekauft.

Genauso gleichgültig wie dem einen der eingequetschte Hummer oder ein flüchtender Tintenfisch ist, so wurscht ist diesen Eltern, was sie ihrem Kind vormachen, so kümmert es auch dieses Paar nicht, wo es sich zum Sonnenbaden hiflaggt und erst Recht interessiert sich die Halterin dieses so wunderschönen wie erbarmungswürdigen Kettenhundes einen Dreck um den auch in Kroatien geltenden Tierschutz. Und so ist sich dann ja auch dieser junge Macho selbst genug: Nachdem er lässig seinen Anker ausgeworfen hatte, pennte er selig weg. Und erwachte erst – immerhin ! -, als sein Boot gegen unseres rumste (wir waren ahnungslos unter Deck).

Am folgenden Tag erstanden wir für schlappe 18,- €/Person Eintrittskarten für Fußgänger in den Nationalpark. Zu Fuß und nicht mit dem Shuttlebus machten wir uns auf die ca. halbstündige Hügelüberquerung. Wir wanderten einen sehr guten Weg entlang, von riesigen Kiefern und krummen Eichen beschattet, durch eine insgesamt ganz herrlich bewaldete Berglandschaft.

Mljet ist nicht nur besonders waldreich – uns begeisterten Hunderte gelber Schmetterlinge, die sich uns im Flug näherten und ununterbrochen umschwirrten. 

Der Weg führt hinab zu einem Bootsanleger und wir konnten sogar direkt zusteigen. Nun fuhren wir keine 10 Minuten über den großen Salzsee auf die Klosterinsel Sv. Marija. Leider befindet sich das Benediktinerkloster aus dem 12. Jh. in Rekonstruktion, aber trotzdem vermittelt die schlichte, einschiffige Klosterkirche noch immer einen authentischen Eindruck davon, wie still es über Jahrhunderte auf Mljet gewesen sein muss. 

Anders als die Shuttlebustouristen nahmen wir jetzt erst einmal ein erfrischendes Bad im menschenleeren Salzsee und wanderten dann erst zurück.

Urlaubsgefühle breiten sich aus!

Tags darauf verließen wir Mljet. Auch hier gilt wie in allen Nationalparks Kroatiens: Im Frühjahr, wenn niemand da ist und die Sonne noch nicht brennt, sind sie am schönsten. Mljet lässt sich sicher sehr gut mit dem Fahrrad erkunden.

Wir nahmen Kurs auf Korcula, diesmal auf die Westseite, in ca. 20 km Sichtweite gegenüber von Lastovo. Hier folgt eine romantische Felsenbucht mit schmalen Kiesstränden und aufregenden Höhlen auf die nächste. Auch die Orlandusabucht ist so ein Schmuckstück. Im Gebüsch finden wir eine Gedenktafel für die Partisanen Lastovos, die während des 2. WK  hier gelandet waren, um ihren Mitstreitern auf Korcula zu helfen. Soweit wir wissen, hat es ihnen allen aber nichts genützt.

Netzempfang gibt es hier nun nicht mehr und so müssen wir zum Emaillesen und Telefonieren mit dem Schlauchboot jedes Mal ein Stück weit raus auf Meer tuckern.

Wir haben Zeit für allerlei Dinge, auch mal auf den anderen Seiten unseres Blogs 🙂 und fürs Nichtstun. Eben Ferien: Lesen, Schnorcheln mit der Unterwasserkamera und sich des Lebens freuen!

2 Comments

  • Welche Freude! Nach dem spannenden wie informativen „somewhere“ geht’s nun weiter mit den tollen Reiseeindrücken. Wunderschöne Fotos sind das wieder. Die Außenaufnahmen vom Benediktinerkloster gefallen mir besonders. Und Geert auf dem Boot macht so einen herrlich entspannten Eindruck. Nach den anstrengenden letzten vier Wochen mit einer Höchstleistung in Sachen Organisation (Chapeau!!!) gönnt Ihr Euch endlich wieder das, wozu Ihr ursprünglich aufgebrochen seid: Urlaubsfeeling mit viel Sonne, Wanderungen, hinreichend Input in Sachen Historie und ein wenig Strandleben.
    Der Weiler (Zaselek?), den Bernd offenbar authentisch restauriert hat, wirkt in der Tat sehr einladend – gut nachvollziehbar, dass Euch dieses Gelände in Hanglage mit „Meer“blick gereizt hat. Und da Ihr mittlerweile darin geübt seid, Eure diversen Wohnungen herzurichten und ständig herum zu werkeln, wird sicher auch der Rohbau im nächsten Jahr zügig fertiggestellt sein. Eine Innenarchitektin habt Ihr ja in der Familie – bei Bedarf stehe diesbezüglich auch ich gern zur Seite…
    Wünsche Euch nunmehr ein durchgehend anhaltendes Supersommersegelwetter und
    grüße herzlich gen Süden
    Britta

  • Guten Abend Ihr Zwei!
    Alles gedruckt und abgeheftet und natürlich gelesen.
    Wieder ein sehr interessanter Bericht mit den vielen Fotos. Wir sind in Gedanken voll dabei und freuen uns riesig das es Euch – was auf den Bildern ersichtlich ist – gut geht und Ihr eine super Zeit habt.
    Weiterhin viel Sonne, Wind und viel Spaß zusammen – auch mit Lydia. Wir freuen uns auf den nächsten Bericht. Karin mit Fritz

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